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Thorsten Walch "Nerd-O-Pedia" - Eine Kurzrezension

In den letzten Jahren hat es einige erfolgreiche und glänzend geschriebene Publikationen zur Fan- und Filmkultur gegeben. Hier seien nur Mike Hillenbrands "40 Jahre Star Trek" oder mein persönlicher Favorit Christian Humbergs "In 80 Welten durch den Tag" genannt.

Nun ist mit Thorsten Walchs "Nerd-O-Pedia" ein neuer Band erschienen, der sich auch mit einem Augenzwinkern der "Haltung, Pflege und dem ganz alltäglichen Umgang" von Nerds widmet. Thorsten Walchs "Nerd-O-Pedia" ist ein sehr umfangreiches und unterhaltsames Grundlagenwerk für Nerds und Fans der diversen Fan-Universen geworden. Auch wenn es im ersten Leseeindruck als Sachbuch erscheinen mag, so stoßen Leserinnen und Leser immer wieder auf Tipps und Kniffe für den Umgang mit Fans und Nerds von Star Trek, Star Wars, Herr der Ringe, Game of Thornes oder Harry Potter, immer mit einem liebevollen und humorvollen (Selbst-)Blick auf Fans und Nerds. Diesen Blick kann ein Autor kaum einnehmen, wenn er nicht selbst mittendrin ist, in dieser Welt der Trekkies, Warsler oder Whovians. Doch Nerd-O-Pedia richtet sich nach meinem Eindruck nicht per se nur an die Freunde von Nerds, sondern die Nerds selbst werden so manche Dinge wiederentdecken oder auch "Ah!"-Erlebnisse gewinnen. Gerade das Phänomen der Film- und Fernsehkultur ist ohne die Fans der diversen Filme und TV-Serien kaum denkbar. Thorsten Walch gelingt hier auf formidable Weise der Brückenschlag zwischen dem Gegenstand der NERDigen Begierde und den Menschen, die Kult und Kultur ausmachen - den Fans. Es sind immer auch Einsichten in das Fan-Sein, z.B. des Trekkies oder des Cosplayers, die einem bei der Lektüre begegnen.

Gewiss fallen dem ebenso NERDigen Leser noch Erlebnisse ein, warum man selbst Fan ist oder wie man zu einem geworden ist. Diese Affinität endet nie, denn jedes Franchise erneuert sich, wird immer wieder erweitert oder neu interpretiert. Gerade bei den PC-Spielen erinnerte ich mich beispielsweise an das Jahr 1996 als Prozessor und Grafikkarte meines Pentium-Rechners nicht mehr ausreichten, um "Star Wars: Shadows of the Empire" spielen zu können und ich dies unbedingt spielen wollte. In einem Buch wie Nerd-O-Pedia kann es aber nicht um Vollständigkeit gehen. Aber wenn ein Buch Lesende schmunzeln lässt, man an vergangene Erlebnisse zurückdenkt und auch einige neue Einblicke vermittelt bekommt, dann ist dem Autor viel gelungen. Wenn der Partner oder die Partnerin fragt: "Wie!? Du gehst schon wieder in Star Wars! Du warst doch schon fünfmal!?" Und man antwortet: "Ja...genau, aber es ist immer wieder faszinierend!" Es ist der eben dieser Brückenschlag, den dieses Buch so lesenswert macht.

Aus vielen Seiten sprüht genau diese Faszination und Liebe zu den Fan-Welten. Freunde und Partner werden sich sehr gut in "ihren" Nerd hineindenken können und Nerds selbst werden vielleicht an vielen Stellen an ihr Fan-Werden sowie an vielfältige Erlebnisse zurückdenken. "Nerd-O-Pedia" bietet viele Anlässe zur Rückblende. An einer Stelle habe ich aber etwas vermisst: Berühmte Cosplayer sind immer schwierig einzufassen, weil man selbst vielleicht von Personen weiß, die fehlen mögen, zumal die Cosplayer Landschaft ist eben auch nicht gerade übersichtlich ist und vollständig kann so eine Darstellung nie sein. Es ist also vor allem Thorsten Walchs exemplarische Auswahl. Aber für mich hätte z.B. der Klingolaus nicht ausgeblendet werden dürfen, auch wenn der Autor sich "befangen" fühlen mag. Dafür ist diese Figur im Star Trek Fandom einfach zu bekannt und hat eine ganz besondere Entstehungsgeschichte und Bedeutung. Eine schlichte Erwähnung ist mir persönlich zu wenig.

Mein Gesamteindruck ist, um es kurz zu machen: Dieses Buch ist glänzend recherchiert, breit aufgestellt, gut systematisiert und einzigartig im Portfolio einschlägiger Literatur zum Phänomen der Nerds und Fans. Als Reiseführer durch diverse Fan-Welten kann ich Thorsten Walchs Buch nur empfehlen. Der Band ergänzt hervorragend die oben genannten Bände auf seine ganz eigene Weise als eine Überblicksdarstellung über die verschiedenen Fan-Welten. Auch wer das Buch in Anbetracht des Umfangs nicht in Gänze liest oder vielleicht zunächst die einzelnen Fan-Welten nach eigener Vorliebe abschnittsweise lesen mag, kann dies sehr gut. Thorsten Walch hat ein Buch geschrieben, dass es so noch nicht gegeben hat. Er hat eine Lücke geschlossen. Yoda würde sagen: "Sein Verdienst es ist."

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